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Smart Economy

Ein- und Aussichten rund um die Frage "Wie gewinne ich Geschäftsfreunde?" 

Kategorie: Beziehung & Management
12.09.2013  

Der Mensch im Mittelpunkt

Wir leben in dynamischen Zeiten. Ganze Industrien stehen vor großeren Herausforderungen: Unternehmen wie Verlage oder Autohersteller sehen sich technologischen Entwicklungen gegenüber, die ihr wirtschaftliches Fundament bedrohen. Wettbewerber sind plötzlich nicht mehr die bekannten Rivalen, sondern Unternehmen, die aus ganz anderen, meist digitalen Universen stammen.

 

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die eigentliche Revolution nicht darin besteht, dass Google in den Markt der Automobilität einsteigt oder Youtube das Fernsehen auf den Kopf stellt.

 

Weiten wir unser Blickfeld und schauen wir uns die Wirtschaft als solche an, dann entdecken wir vielmehr eine ganz andere, viel einfachere und doch fundamentale Veränderung. Dabei handelt es sich um die Verschiebung des wichtigsten Bezugpunkts in unserem Wirtschaftssystem.

 

 

 

Dieser Bezugspunkt ist der Mensch.

Der Mensch nimmt in unserer heutigen Wirtschaft zunehmend einen anderen Stellenwert ein. Ganz gleich ob als Kunde, Mitarbeiter, Lieferant.

Das Wirtschaftsmagazin "brandeins" hat das bereits vor Jahren erkannt und widmet sich dem Menschen als "kleinster wirtschaftlichen Einheit". In jeder Ausgabe wird ein Mensch portraitiert, der in einem Winkel dieser Welt seiner Arbeit nachgeht. Eine wunderbare und immer wieder erkenntnisreiche Rubrik - die noch vor einigen Jahren niemanden interessiert hätte.

Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, kennzeichnet eine Zeitenwende.

Solche Zeitenwenden haben wir in der Geschichte der Menscheit schon häufig beobachten können.

Beispielsweise kennen wir das aus der Geschichte der Astronomie:

Zunächst stand die Erde im Zentrum. Dann die Sonne. Dann die Galaxis und heute sind wir schon so weit darüber hinaus, dass es in der Astronomie keinen Mittelpunkt mehr zu geben scheint.

Werfen wir einen Blick in die Geschichte der Ökonomie, so entdecken wir: Der Sozialismus stellte die Gemeinschaft in den Mittelpunkt – und ist gescheitert. Der Kapitalismus stellt den Profit in den Mittelpunkt – und scheitert. Profitstreben in Reinkultur hat ausgedient.

Nun erleben wir also, wie der Ökonomie ein neuer Mittelpunkt entsteht: der Mensch.

Das Bemerkenswerte an dieser Entwicklung: Sie ist nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Überlegungen – und leider auch nicht politischen Handelns. Sie ist vielmehr die Konsequenz zweier parallel verlaufender Entwicklungen:

Da ist wachsender gesellschaftlicher Druck und Leidensdruck auf der einen Seite – wir alle wissen, dass es in vielen Bereichen nicht so weitergehen kann, wie bisher. Zu groß sind die Herausforderungen durch den Klimawandel, die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich, die Überschuldung der Staatshaushalte.

Und dann gibt es da noch die zweite Entwicklung: Wir erleben, dass Technologien, insbesondere Kommunikationstechnologien unser Leben grundlegend verändern. „The medium is the message“, der alte Satz des Marshall McLuhan, hat ausgedient. Jetzt heißt es: „The Mensch is the Message“.

Die hochpolitisierte Jugend der 1960er und 1970er Jahre wollte die Welt verändern. Doch der Stein, den sie dafür bildlich gesprochen ins Wasser warf, war nicht schwer genug, um nachhaltig Wellen zu schlagen. Was blieb, war die Aufregung um wirkliche Steine, die unter anderem Polizisten bei ihrem Einsatz trafen. Der Informationsfluss, den die Menschen dieser Zeit in Gang setzen konnten, war noch vergleichsweise begrenzt, es fehlten schlichtweg die Kommunikationstechniken, die den bescheidenen Rahmen des politisierten Kaffeekränzchens oder Asta-Ausschusses hätten sprengen können. Das sieht heute anders aus. Wir verfügen inzwischen über Kulturtechniken, die nicht nur in den 1960er und 1970er Jahren, sondern sogar noch in den späten 1990er Jahren als utopisch abgetan worden wären.

Auch der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach Individualität auf der einen und Vernetzung mit der Gemeinschaft auf der anderen Seite ist inzwischen technologisch gelöst. Heute entscheidet die technische Konnektivität über die Teilnahme am Markt.

Wie auch immer sich diese Evolution fortschreibt, wie auch immer unsere nächste Wirtschaftsform heißt, sie kann und wird nur erfolgreich sein, wenn für sie der Mensch, das Individuum, Leitmotiv für alles Denken und Handeln ist.

Wenn dies nicht der Fall ist, lassen sich das die Menschen nicht mehr gefallen. Sie akzeptieren keine Bevormundung mehr. Wir haben das in den vergangenen Jahren und Monaten in vielen Staaten dieser Welt erlebt, insbesondere in Nordafrika. Und wir erleben es tagtäglich in kleinen und großen Unternehmen, die scheitern, weil Sie das eigene Profitstreben über die Liebe zum Kunden stellen oder aber ihren Mitarbeitern und Lieferanten mit mangelnder Wertschätzung begegnen.

Wie gesagt: Wir leben in dynamischen Zeiten.


Kommentare

Piet Krebs - 13.09.2013 16:33 Uhr

Außenstelle bayern

Bitte lass diese Erkenntnis wie ein Virus blitzschnell auch in den Süden Deutschlands vordringen. Ich erlebe im Herbst dieses Jahres eigentlich nur Firmen, die steinzeitmäßig auf ihre Rendite starren. Und ihre Mitarbeiter meist nur am Monatsende zur Kenntnis nehmen. Zwangsläufig.
 

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